5 (f)ragen an … Thomas Kofler

Professioneller Rennradsport in Corona-Zeiten.

Mit der Corona-Krise legte auch die Sportwelt eine abrupte Vollbremsung hin. Durch die zahlreichen Einschränkungen zur Eindämmung der Pandemie war innerhalb kürzester Zeit an keine Sportausübung mehr zu denken. Schon gar nicht an professionelle Sportbewerbe, an denen Athleten aus allen Herren Ländern teilnehmen. Von möglichen Fanansammlungen ganz abgesehen. Eine äußerst schwierige Situation für die gesamte Welt des Sports. Veranstalter, professionelle Sportteams, Institutionen, etc. wurden kurzum in die Zwangspause geschickt, ohne jegliche Perspektive, wie es weitergehen wird. Wir sprachen mit Thomas Kofler, dem Teammanager des Team Vorarlberg Santic (www.team-vorarlberg.at) – einem heimischen Profi-Rennrad-Stall.

*Untenstehend kann das Interview vollumfänglich nachgehört werden.

Wie ist es damals eigentlich zur Gründung des Team Vorarlberg gekommen?

Papa Max hatte bereits im Jahr 1987 die Radsportschule in Rankweil gegründet. Mein Bruder Johannes und ich waren eigentlich im Skisport aktiv, wechselten dann aber erfolgreich in den Radsport. Die Ambitionen und Vereinstrukturen entwickelten sich von Jahr zu Jahr weiter. Die Idee von einem professionellen Radteam reifte heran und im Jahr 1999 war das „Team Vorarlberg“ geboren.

Heute betreiben wir neben dem Radteam auch das RadHaus in Rankweil, ein Fachgeschäft für Fahrräder aller Art und Zubehör. Zudem sind wir seit über 20 Jahren auch im Sportveranstaltungsbreich tätig. Neben Tour-Stops der Österreich-Radrundfahrt, organisieren wir auch den alljährlichen Grand Prix in Nenzing und den Trans Vorarlberg Triathlon. Alle Geschäftsbereiche ergänzen sich optimal zueinander und gerade in der jetztigen Zeit ist es von Vorteil weitere Standbeine zu haben.

Zu welchem Zeitpunkt hast du das erste Mal daran gedacht, dass die Corona-Pandemie für einen längerfristigen Ausfall der Rennrad-Wettkämpfe sorgen könnte?

Wir haben einige Partner in Asien, die uns bereits relativ früh über die dortigen Entwicklungen informiert hatten. Im Januar auf der ISPO in München wurde uns dann nochmals bestätigt, dass die Pandemie auch bald Europa erreichen wird. Eine derat rasante Ausbreitung und die massiven globalen Auswirkungen, konnte damals aber wohl noch niemand voraussehen. Klar, manches war absehbar. Aber letztendlich ist man in einer solch komplexen Situation immer mehr „Beifahrer als Pilot“ und kann nur begrenzt reagieren.

Wie habt ihr die Zeit während des Lock Downs im Team genutzt? Welche neue Ideen habt ihr verfolgt?

Zu Beginn bestand die Hauptaufgabe darin, die Sportler bzw. das gesamte Team zu umsorgen. Trotz der schwierigen Situation nach vorne zu schauen und allen eine Perspektive zu bieten. Mit dem Radsport waren wir in der glücklichen Lage, dass dieser bis auf wenige Wochen immer ausgeübt werden durfte. Dies begünstigte nicht nur das Training der Fahrer, sondern auch die Situation mit unserem Fahrrad-Fachgeschäft. Wir haben dort einige Neuerungen vorgenommen. Und natürlich, jede Krise bietet auch Chancen.

Apropos neue Ideen: wir werden heuer Mitte Augutst beim Race Around Austria starten – dem härtesten Radrennen in Europa. Dies ist komplettes Neuland für uns und eine riesige Challenge. Es ist aber auch ein tolles Projekt um aufzuzeigen, dass wir in der jetztigen Situation den Kopf nicht in den Sand stecken und präsent sein wollen. Gerade auch gegenüber den Sponsoren, Partnern und Fans. Zudem laufen aktuell auch sehr intensive Planungen zu einem großen Non-Profit-Projekt, bei dem wir das gesamte Radland Österreich miteinbeziehen wollen. Wir hoffen, das Projekt bis Anfang Juni präsentieren zu können.

Wie lautet euer weiterer Fahrplan für die verbleibende Saison?

In Österreich wird es ein paar Zeitfahren geben an denen wir teilnehmen und auch eines davon selbst in Nenzing veranstalten werden. Der Termin ist für September avisiert. Sofern es die Situation zulässt, planen wir derzeit mit Anfang August wieder in den internationalen UCI-Rennkalender einzusteigen. Wir hoffen natürlich auf eine lange Saison bis Ende Oktober, Anfang November.

Welche Erfahrungen nimmst du aus dieser schwierigen Zeit für dich und das Team mit?

Zufriedenheit, Demut und Dankbarkeit mit sich selbst und dem Umfeld. Aber auch Zusammenhalt. Schlussendlich sind wir „Gast auf Erden“, was in unserer Gesellschaft oft in Vergessenheit gerät. Die letzten Wochen haben diese Werte wieder mehr ins Bewusstsein gerückt – das ist sehr wertvoll. Natürlich freuen wir uns jetzt aber alle, wenn wir positiv nach vorne schauen dürfen und etwas „Normalität“ einkehrt.

Vielen Dank Thomas für das spannende Gespräch und die interessanten Einblicke. Wir hoffen, dass die Situation stabil bleibt und Sportveranstaltungen bald wieder möglich sind!

Über den Gesprächspartner:

Thomas Kofler leitet das Team Vorarlberg seit über 20 Jahren als Teammanager. Heute verantwortet er zudem das RadHaus in Rankweil bzw. den Trans Vorarlberg Triathlon. Für (f)acts übernahm er die sportliche Wettkampfleitung des „A1 Triathlon“ 2014 in Fuschl am See.

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