Corona und die Folgen: Was wir von Netflix für Event-Inszenierungen lernen können

Im Juni 2019 erhielt ich einen Anruf mit unbekannter Nummer aus Österreich. Am Telefon meldete sich Wolfgang Schwarzmann von der Agentur (f)acts. (Weder hatte ich bis dahin von ihm noch von (f)acts gehört.) Ich sei ihm von einem gemeinsamen Bekannten, Chris Cuhls, empfohlen worden. Ob ich Zeit hätte, sie bei einem großen Jubiläumsevent zu unterstützen? Am besten sofort.
Location, Setting, Künstler, alles steht. Man brauche nur noch die Story!

Nur noch?! dachte ich. Ich glaube, dass man ohne Storytelling heute nicht mehr erfolgreich kommunizieren kann. Mehr noch: Die Marketingmethode (groß im Trend seit Anfang der 2000er, dabei Jahrtausende alt) ist das Mittel der Stunde. Selten haben wir uns so sehr nach guten Geschichten gesehnt, wie jetzt.

Netflix & Co verkaufen uns Zuhausebleibern Abos wie geschnitten Brot. Und die Zugpferde sind Serien. Also Geschichten, die man nicht in 90 Minuten abhandeln kann. Die ihren Charakteren Raum zur Entfaltung geben. Die auch mal Nebengeschichten erzählen. Und die irgendwann so komplex sind, dass man geneigt ist, Sekundärliteratur zu bemühen.

Was macht den Erfolg dieser Serien aus?

Die Wiener Storytelling-Expertin Rebecca Vogels fügt neben den genannten Gründen noch einen weiteren Punkt auf: Im Mittelpunkt erfolgreicher Serien stehen nicht mehr klassische Helden, sondern Menschen wie du und ich. Der Gute ist nicht nur gut, der Böse nicht nur böse. Der „Held“ kann auch mal scheitern. Aber nicht, um irgendwann wieder aufzustehen, sondern um liegenzubleiben. Oder er entwickelt sich zum A…loch. Es ist alles nicht mehr so einfach. Genau wie unser Leben!

 „Wir schauen Serien nicht mehr, um dem Leben zu entfliehen, sondern um es besser zu verstehen.“ (Rebecca Vogels)

Netflix hält uns den Spiegel vor. Und wir finden das höchst unterhaltsam. 

Was können wir daraus für die Eventkommunikation lernen?

Zum einen, dass Storytelling mehr denn je zu einer Inszenierung dazugehört. Gute Events verpacken ihre Botschaft in einer guten Geschichte. Denn an Geschichten erinnern wir uns. Und nicht an Bulletpoints und Erfolgsbotschaften. 

Zum anderen, dass wir Geschichten nicht mehr nur im Schwarzweißmodus erzählen. Unternehmen, Marken oder auch Führungskräfte sind nicht ausschließlich gut und unbesiegbar. Sie sind wie wir. Sie machen Fehler, sie verlieren auch mal – und sie reden darüber. Das macht sie sympathisch und zu einem Teil unseres realen Lebens.

Apropos reales Leben: Nach dem Anruf von Wolfgang Schwarzmann ging alles ganz schnell. Er setzte sich in den nächsten Flieger nach Köln und erzählte mir in einem Brauhaus vom Jubiläumsprojekt „100 Jahre Rauch“. Ein traditionelles Familienunternehmen, das seine Historie gerade in 100 Geschichten im Web kommunizierte. Stoff gab es also genug! Wir mussten diesen nur noch in die Inszenierung integrieren. Haben wir dann auch wenige Monate später gemeinsam gemacht. Aber das ist eine andere Geschichte…

Das Projekt „100 Jahre Rauch“

Über den Autor: 
Kai Janssen lebt und arbeitet als freier Creative Director und Dozent für Markenerlebnisse in Köln. Zahlreiche von ihm konzipierten Events und Messeauftritte wurden international ausgezeichnet. Der Netflix-Abbonent fährt gerne Rad und Bahn. Letzteres am liebsten nach Dornbirn.

Fotocredit: Nicolas Maderna/Shutterstock.com

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