5 (f)ragen an … Philipp Aschenwald

Zurück in luftiger Höhe!

Mit der Raw Air Tour standen im März – abgesehen von der Weltmeisterschaft in Planica – die letzten Wettbewerbe des Skisprung-Weltcup-Zirkus für die Saison 2020 auf dem Programm. Anfänglich versuchte die FIS die verbleibenden Wettkämpfe noch durchzudrücken. Aufgrund der globalen Pandemie musste die Saison 19/20 dann aber doch abrupt abgebrochen werden. Am Vortag noch den Qualifikationsdurchgang absolviert, ging es dann am 12. März für Philipp Aschenwald und Co., anstatt zum Wettkampf, auf direktem Wege zurück nach Österreich. Trotz der schwierigen Situation konnte das österreichische Nationalteam dem Abbruch ein Lächeln abgewinnen. Mit Stefan Kraft als Gesamtweltcupsieger und Philipp Aschenwald mit einem starken 10. Platz, reihten sich gleich zwei Athleten unter den Top-10 im Gesamtklassement ein. Dennoch war es ein Saisonsabschluss der etwas anderen Art.

Philipp, wie war die Zeit für dich, während der Corona-Krise? Wie hast du dich beschäftigt?

Nach dem abrupten Ende in Trondheim, wurde auch mein Programm für die Nachsaison völlig auf den Kopf gestellt. Es ist normal jene Zeit, in der ich mit meiner Familie und meinen Freunden Skifahren oder Skitouren gehe, etc. – Aktivitäten für die ich sonst das ganze Jahr keine Zeit finde. Normalerweise stehen auch Termine mit Partnern und Betreuern an. An diese Sachen war aber natürlich überhaupt nicht zu denken. Stattdessen stand Zuhause bleiben am Programm. Gut, eine sehr schwierige Situation, aber dennoch die einzig richtige Entscheidung. Die Gesundheit von uns allen hat oberste Priorität.

Anfangs war die Situation dennoch sehr ungewohnt und ich nutzte die Zeit erst einmal, um mich zu Hause zu regenerieren – zumindest so gut es ging. Ganz ohne Sport geht es dann aber doch nicht und ich wusste meine Zeit in den eigenen vier Wänden zu nutzen! Neben täglichen Trainingseinheiten wurden dann auch meine Haushalts-Fähigkeiten wieder etwas aufgefrischt. (Zwinkern)  Skype-Calls und Online Mario-Kart-Duelle mit den Skisprung-Kollegen zwischendurch sorgten für Auflockerung. Im Frühjahr steht bei mir zudem immer ein Lehrgang der Polizeischule auf dem Programm – dieses Jahr via Skype. Neben den Kursen und Arbeitsaufträgen kam ich zunehmend in einen guten Trainingsrhythmus. Die Zeit zu Hause verbringen zu können, anstatt in einem Hotel in Salzburg, war zusätzlich ein angenehmes und stressfreies Erlebnis. 

Wie läuft deine Vorbereitung bis jetzt? Wie sieht der weitere Fahrplan aus?

Durch den frühzeitigen Saisonschluss bzw. die Verschiebung des Sommer Grand Prix (Anm. der für 26./27. September geplante Sommer Grand Prix in Hinzenbach wird nicht stattfinden), habe ich die Möglichkeit, meine Trainingsblöcke dieses Jahr ein wenig umzustrukturieren. Da wir schlichtweg mehr Zeit für die Vorbereitung haben. Zum einen für gezieltes Training, aber auch hinsichtlich Abstimmung von Material und Flugsystem. Ich habe die letzten Wochen gut trainiert und fühle mich auch konditionell in starker Verfassung.

Ende Mai ist die Tiroler Trainingsgruppe (4 Athleten) dann wieder als Mannschaft zusammengekommen und haben gleich mit einem Sprungtraining gestartet. Die Vorfreude war natürlich riesig. Es war ein tolles Gefühl, endlich wieder am Bakken zu sitzen und in luftige Höhen springen zu können. Auf Anhieb fühlte sich alles stimmig an und die ersten Sprünge waren gut. Zusätzlich die Jungs wieder live zu sehen und Andi Widhölzl als neuen Cheftrainer offiziell zu begrüßen, war natürlich ein genialer Auftakt.

Bzgl. weiterer Fahrplan: Wir haben bereits den ersten Mannschafts-Trainingskurs in Faak am See absolviert. Jetzt folgen im 14-Tage-Rhythmus je eine Woche Training am Stützpunkt und eine Woche Trainingskurs. Die Destinationen werden kurzfristig fixiert, aber hauptsächlich in Österreich bzw. den Nachbarländern (Deutschland, Slowenien) sein. Aus aktueller Sicht, geht’s für uns dann frühestens Ende Sommer/Anfang Herbst ins Wettkampfgeschehen.

Was war rückblickend auf die vergangene Saison dein absolutes Hightlight?

Rückblickend war die vergangene Saison einfach nur mega! Ich hatte einen fulminanten Start, gefolgt von einer tollen Vierschanzentournee – eine meiner absoluten Highlights! Ich war super in Form und zeigte ansprechende Sprungleistungen. Leider stimmte der Rhythmus nicht immer ganz. Denn die besten Sprünge gelangen mir meist in den Probe- und Qualidurchgängen, anstatt in den Wertungsbewerben. Trotzdem zeigten mir die Einzelleistungen, dass ich mit einem guten Sprung ganz vorne laden kann. Aber auch das ganze Rundherum, mit dem großen Medieninteresse und den beiden Heimspringen in Österreich. Das sind sehr einprägsame Tage. Genial war aber natürlich, dass die Formkurve dann gegen Saisonschluss wieder nach oben zeigte und ich den 10. Gesamtrang behaupten konnte. Dieses Ergebnis spiegelt auch meine durchgängig solide Saisonsleistung wieder.

Welche Erfahrungen nimmst du aus der vergangen Saison mit für 20/21?

In der vergangenen Saison durfte ich viele schöne und erfolgreiche Momente erleben und ebenso wertvolle Erfahrungen sammeln. Neben dem ganzen Rundherum, wie Interviews, Medientermine, etc. nehme ich aber vor allem meine Erfahrungen hinsichtlich Rhythmus und Konstanz mit. Meine Spitzenleistungen weniger in den Probe- und Qualidurchgängen zu zeigen, sondern in den Wertungsbewerben, wenn es wirklich zählt. Meine Leistung auch über die ganze Saison hinweg so gut wie möglich konstant zu halten und Ausreißer nach hinten zu minimieren. Dabei möchte ich mein Skispringen auch fortlaufend verbessern, sodass es mir auch mit vermeintlich „schlechten Sprüngen“ gelingt, ganz vorne dabei zu sein. Aber auch meine Erfahrungen hinsichtlich „Geheimfavoriten-Rolle“ bzw. „zum erweiterten Favoritenkreis“ zu gehören, nehme ich aus der vergangenen Saison mit, um dieses Jahr noch routinierter springen zu können.

Welche Ziele hast du dir für die Saison 20/21 gesteckt?

Ich möchte an die tolle vergangene Saison anknüpfen und habe mir wieder eine Top-10 Platzierung in der Gesamtwertung als Ziel gesetzt. Konkret, meine persönlichen Bestleistungen stets verbessern und möglichst konstant um die Top-6 Plätze mitspringen. Zudem möchte ich auch meinen ersten Weltcup-Sieg landen. Bei der Skiflugweltmeisterschaft und Weltmeisterschaft mit dem Team lautet mein Ziel ebenfalls, um Medaillen mitzukämpfen.

Vielen Dank Philipp für das interessante Gespräch und die spannenden Einblicke. Wir wünschen dir weiterhin eine tolle Vorbereitung und freuen uns, dich auch in der kommenden Saison begleiten zu dürfen!

Über den Gesprächspartner:

Philipp Aschenwald ist österreichischer Skispringer und gehört dem Nationalkader an. Bei der Heim-WM 2019 in Seefeld holte der gebürtige Zillertaler je Silber im Team-Bewerb bzw. Mixed-Team-Bewerb. In der Freizeit genießt Philipp die Ruhe und gute Luft in den Tiroler Bergen. Besonders gut kann er seine Energieakkus beim Paragleiten, Motorradfahren oder Harmonika spielen aufladen. Die Zeit für Familie und Freunde darf dabei ebenfalls nicht zu kurz kommen.

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